Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf

 

März / April / Mai 2011

 

Nachgedacht

Bei Gott allein
kommt meine Seele zur Ruhe;
denn von ihm kommt meine Hoffnung

(Psalm 62,2), Monatsspruch März



Hoffnung für unsere innere Sehnsucht

Die innere Unruhe des Menschen ist ein Gottesbeweis“, hat der Schriftsteller Heinrich Böll einmal gesagt. Gemeint hat er damit die jedem Menschen angeborene innere Sehnsucht nach etwas, das höher ist als er selbst; die tief in uns steckende Ahnung, dass wir auf Erden nicht für immer zuhause sind, sondern unsere wahre Heimat woanders ist. Und tatsächlich gehören die innere Unruhe und das manchmal geradezu verzweifelte Getriebensein genauso zu unserem menschlichen Dasein wie die Sehnsucht nach Ruhe, Geborgenheit und Hoffnung. Das ist die Spannung, in der jeder Mensch lebt und die die Verfasser der alttestamentlichen Psalmen mit besonders eindrücklichen Worten formuliert haben.
Jesus Christus, der Mensch gewordene Gott, hat sich dieser Spannung auf radikale Weise selbst ausgeliefert, um uns beunruhigten, getriebenen und verzweifelten Menschen durch seine Passions- und Auferstehungsgeschichte Hoffnung zu geben. Denn aus der tiefsten Verzweiflung am Kreuz von Golgatha erwächst das unfassbare und größte Wunder – das neue Leben am Ostermorgen.
In den vor uns liegenden Wochen wird in Gottesdiensten und Andachten die Passionsgeschichte im Mittelpunkt stehen. Wir gehen gleichsam mit Jesus den Weg durch Leiden und Sterben bis hin zur Auferstehung noch einmal mit. Die liturgische Gestaltung der Gottesdienste wird bis zum Karfreitag zunehmend schlichter werden, denn die Passionszeit soll – äußerlich wie innerlich – eine Zeit der Stille und der Einkehr sein.
Sie soll aber auch eine Zeit der Hoffnung sein. Wir dürfen hoffen, weil wir am Weg Jesu erkennen können, dass auch das tiefste menschliche Leid nicht Gottes letztes Wort ist, sondern dass am Ende das Leben auf uns wartet und unsere Seele Ruhe findet. Um uns hierfür die Augen zu öffnen, um uns ein für allemal diese Hoffnung zu schenken, hat Gott in Jesus Christus das Kreuz auf sich genommen. So viel sind wir ihm wert!
Dr. Andreas Metzing

 

 

 

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